Gelungene Nachfolge im Handwerk – mit Struktur und Unterstützung

Wenn Betriebe in neue Hände übergehen, ist das selten ein geradliniger Prozess. Es geht um Verantwortung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und oft auch um ein Lebenswerk. Wie eine gelungene Unternehmensnachfolge aussehen kann, zeigt das Beispiel der Cottbuser Augenoptikermeisterin Claudia Elsner.

2022 übernahm sie im Alter von 35 Jahren das Fachgeschäft Augenoptik Kopowski in Cottbus. Zwei Jahre später steht für sie fest: Der Schritt in die Selbstständigkeit war richtig. Doch der Weg dorthin war keineswegs selbstverständlich.

Claudia Elsner hat zwei Handwerksberufe erlernt. Sowohl in der Ausbildung zur Friseurin als auch zur Augenoptikerin sind Verkaufstalent, Beratungskompetenz, technisches Interesse und handwerkliches Geschick gefragt. Früh war für sie klar, dass sie mehr Verantwortung übernehmen möchte. Die Perspektive einer möglichen Nachfolge war ein entscheidender Grund, nach mehreren Jahren Praxiserfahrung die Meisterausbildung in Jena zu absolvieren.

2021 erhielt sie das Angebot, als Meisterin bei Augenoptik Kopowski einzusteigen. Durch eine plötzliche Erkrankung des Inhabers stellte sich jedoch schneller als erwartet die Frage der Übergabe. Aus der Angestellten wurde eine potenzielle Nachfolgerin und schließlich eine Unternehmerin.

Blonde Frau mit Brille

Unterstützung bei der Übernahme

„Das war für mich eine völlig neue Situation. Mut und Sicherheit habe ich gespürt, da ich ein gestandenes Unternehmen mit Kundenstamm übernehmen konnte. Auch der Name des Unternehmens war mir wichtig. Gleichzeitig stand mir von Anfang an eine erfahrene Mitarbeiterin zur Seite. Wir entscheiden nach wie vor im Team. Neben dem Business-Plan waren es die Meistergründungsprämie und die Bürgschaftsbank des Landes Brandenburg, die mir bei der Umsetzung geholfen haben. Dazu hatte ich die Kompetenz des Berater-Teams der Handwerkskammer an meiner Seite. Unsere Kunden kommen nicht nur aus Cottbus oder Spree-Neiße, sondern auch aus Hamburg und Konstanz. Es waren große Fußstapfen, in die ich treten musste. Neue Kundschaft kommt auf Empfehlung. Trotzdem ist Wirtschaftlichkeit wichtig. Preise und Firmenrabatte waren anzupassen. Es hilft mit, die Buchhaltung selbst zu führen, um die Kontrolle zu behalten. In den ersten Unternehmensjahren kann ich nicht gleich aus dem Vollen schöpfen. Anschaffungen für den Betrieb liegen schnell bei über 2.000 EUR für neue Brillenfassungen“, beschreibt die Jungunternehmerin ihre Erfahrungen.

Der Fall zeigt, wie vielschichtig eine Unternehmensnachfolge ist. Neben fachlicher Qualifikation braucht es finanzielle Planung, rechtliche Klarheit und persönliche Entschlossenheit. Genau hier setzen die Unterstützungsangebote der Handwerkskammern an – und seit Oktober 2024 zusätzlich die Nachfolgezentrale Brandenburg.

Die Nachfolgezentrale ist ein Kooperationsprojekt aller sechs brandenburgischen Industrie- und Handelskammern, sowie Handwerkskammern und der Bürgschaftsbank Brandenburg. Die Handwerkskammer Cottbus fungiert hier als Projektträger. Ziel ist es, Übergebende und Nachfolgeinteressierte strukturiert zusammenzubringen und den gesamten Prozess professionell zu begleiten. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung, sondern um eine ganzheitliche Unterstützung – von der ersten Orientierung bis zur konkreten Umsetzung.

Gerade im Handwerk gewinnt dieses Thema weiter an Bedeutung. Viele Betriebsinhaberinnen und -inhaber erreichen in den kommenden Jahren das Rentenalter. Gleichzeitig wird es schwieriger, geeignete Nachfolger zu finden. Eine frühzeitige und strukturierte Planung ist deshalb entscheiden.

Verantwortung und Balance im Unternehmensalltag

Zur Work-Life-Balance von Claudia Elsner gehören ein freier Montag, zwei Wochen Sommerurlaub und eine Pause zum Jahreswechsel. „Das ist der Luxus, den ich mir gönne. Wir haben auch am Samstag geöffnet, um gerade den Kunden den Service zu bieten, die ansonsten aufgrund ihrer Arbeitszeit keine Möglichkeit hätten, zu uns zu kommen.“

Auch nach der erfolgreichen Übernahme bleibt der Betrieb in Bewegung. Zu den aktuellen Herausforderungen zählt die Einführung der E-Rechnung, die ab 2025 verpflichtend wurde und Anpassungen im Kassensystem sowie in der Kundendatenbank erforderte. Unternehmerische Verantwortung bedeutet für Elsner daher nicht nur Bewahren, sondern kontinuierliche Weiterentwicklung.

Das Beispiel aus Cottbus zeigt: Nachfolge ist kein Selbstläufer. Sie verlangt Mut, Vorbereitung und verlässliche Partner. Mit fachlicher Begleitung durch die Kammern und der strukturierten Unterstützung der Nachfolgezentrale Brandenburg kann aus einer unerwarteten Situation eine nachhaltige Erfolgsgeschichten werden – für Unternehmerin, Mitarbeitende und Kunden gleichermaßen.

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