Unternehmensnachfolge im Fokus der Landespolitik

Wirtschaftsministerin Martina Klement besucht Nachfolgezentrale Brandenburg: Unternehmensnachfolge im Fokus der Landespolitik

Wie lässt sich verhindern, dass wirtschaftlich gesunde Unternehmen schließen, weil eine geeignete Nachfolge fehlt? Über diese Frage und die Zukunft der Unternehmensnachfolge in Brandenburg informierte sich Wirtschaftsministerin Martina Klement und der Landtagsabgeordnete Lars Katzmarek am 13. Oktober 2026 bei einem Besuch der Nachfolgezentrale Brandenburg in der Handwerkskammer Cottbus.

Brandenburgs Mittelstand steht vor einem Generationswechsel

Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer in Brandenburg erreichen das Rentenalter. Für viele stellt sich damit die entscheidende Frage: Wer übernimmt? Wer führt den Betrieb weiter, wenn sie selbst ausscheiden? Die Suche nach einer geeigneten Nachfolge wird zunehmend zu einer Herausforderung, die weit über einzelne Unternehmen hinausreicht.

Wie groß der Handlungsbedarf ist, verdeutlichte Projektleiterin Anja Beck zu Beginn des Besuchs anhand aktueller Zahlen. Im Jahr 2025 waren bundesweit bereits 57 Prozent der mittelständischen Unternehmerschaft mindestens 55 Jahre alt. Im Jahr 2003 lag dieser Anteil noch bei rund 20 Prozent. 

Auch Brandenburg ist von dieser Entwicklung betroffen. Nach aktuellen Auswertungen der brandenburgischen Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern gibt es im Land knapp 206.000 Unternehmen. Bei rund 79.000 von ihnen sind die Inhaberinnen und Inhaber bereits 55 Jahre oder älter. Das entspricht einem Anteil von fast 40 Prozent. (Aktuelle Zahlen der brandenburgischen Wirtschaftskammern)

Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken. Zwischen 2002 und 2024 gingen die Existenzgründungen um etwa 60 Prozent zurück, die Unternehmensübernahmen sogar um knapp 70 Prozent. 

Besonders deutlich werden die Auswirkungen anhand der Unternehmensschließungen. Nach einer Untersuchung des ZEW Mannheim und Creditreform stellten 2025 bundesweit rund 188.000 Unternehmen ihre Tätigkeit ein. Nur rund 13 Prozent dieser Schließungen waren auf Insolvenzverfahren zurückzuführen. Bei eigentümergeführten Familienunternehmen hatten 29 Prozent der freiwillig geschlossenen Betriebe Inhabende im Alter von mindestens 65 Jahren. 

Diese Zahlen zeigen, dass nicht jede Betriebsaufgabe das Ergebnis wirtschaftlicher Schwierigkeiten ist. Auch fehlende Nachfolgelösungen tragen dazu bei, dass Unternehmen vom Markt verschwinden. Damit gehen oftmals Arbeitsplätze, Ausbildungsangebote, unternehmerisches Wissen und wirtschaftliche Stabilität verloren.

Persönlich, vertraulich und kostenfrei: So arbeitet die Nachfolgezentrale

Wie die Nachfolgezentrale Brandenburg dazu beitragen kann, solche Entwicklungen zu verhindern, erläuterte Anja Beck im weiteren Verlauf des Gesprächs.

Das Projekt, dessen Träger die Handwerkskammer Cottbus ist, bringt übergabewillige Unternehmerinnen und Unternehmer mit Menschen zusammen, die einen bestehenden Betrieb übernehmen möchten. Dabei setzt die Nachfolgezentrale auf ein digitales Vermittlungsverfahren, dass durch persönliche Betreuung ergänzt wird.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit den sechs brandenburgischen Wirtschaftskammern und der Bürgschaftsbank Brandenburg. Während die Nachfolgezentrale geeignete Kontakte vermittelt und den Prozess begleitet, stehen die Kooperationspartner mit ihren jeweiligen Beratungsangeboten zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Fragen zur Unternehmensbewertung, Finanzierung und Vorbereitung einer Betriebsübergabe.

Wirtschaftsministerin Klement interessierte sich insbesondere für die praktische Funktionsweise der Plattform. Im direkten Gespräch mit Claudia Conrad und Steffi Damaske, die für die Portalbetreuung verantwortlich sind, ließ sie sich die einzelnen Schritte von der Registrierung bis zur Kontaktvermittlung erläutern.

Anders als bei klassischen Unternehmensbörsen werden auf der Plattform keine allgemein zugänglichen Inserate veröffentlicht. Nach der Registrierung werden die Angaben der Beteiligten geprüft und anhand verschiedener Kriterien miteinander per Algorithmus abgeglichen. Gibt es passende Übereinstimmungen, bzw. matchen die Kriterien, erhalten beide Seiten zunächst anonymisierte Profile. Erst bei gegenseitigem Interesse und nach Abschluss entsprechender Vertraulichkeitsvereinbarungen werden weitere Informationen zugänglich gemacht und der persönliche Kontakt hergestellt.

Gerade die Kombination aus Vertraulichkeit, persönlicher Begleitung und kostenfreier Nutzung ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer entscheidend. Denn die Übergabe eines Betriebs ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern häufig auch eine sehr persönliche Angelegenheit.

Unternehmensnachfolge braucht mehr öffentliche Aufmerksamkeit

Neben den technischen und organisatorischen Abläufen beschäftigte sich die Gesprächsrunde auch mit der Frage, wie das Thema Unternehmensnachfolge stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt werden kann.

Heiner Bachmann, verantwortlich für das Marketing der Nachfolgezentrale Brandenburg, erläuterte die bisherigen Kommunikationsmaßnahmen und die Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen. Neben Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich mit einer Übergabe beschäftigen, sollen insbesondere Menschen erreicht werden, für die eine Betriebsübernahme eine Alternative zur Neugründung darstellen könnte. Denn, wer sich selbstständig machen möchte, muss nicht zwangsläufig bei null anfangen. Ein bestehender Betrieb bietet häufig bereits eine gewachsene Kundenstruktur, eingespielte Arbeitsabläufe, erfahrene Beschäftigte und eine etablierte Marktposition.

Die Nachfolgezentrale setzt deshalb auf Öffentlichkeitsarbeit, digitale Kommunikationskanäle, Veranstaltungen und die Zusammenarbeit mit ihren Kooperationspartnern. Wirtschaftsministerin Klement sagte im Gespräch Unterstützung bei der weiteren Verbreitung des Angebots über digitale Kanäle zu.

Ein Austausch, der bereits zuvor begonnen hatte

Der Besuch in Cottbus knüpfte an Begegnungen der vergangenen Wochen an. Bereits beim 8. Ostdeutschen Unternehmertag im September 2026 in Potsdam, bei dem Wirtschaftsministerin Klement ein Grußwort hielt, war die Nachfolgezentrale Brandenburg vertreten. Die Veranstaltung bot Gelegenheit, sich über wirtschaftliche Herausforderungen und die Zukunft des Mittelstands auszutauschen.

Auch auf dem Deutschen Gründer- und Unternehmertag (deGUT) am 8. Oktober 2026 in der ARENA Berlin spielte die Unternehmensnachfolge eine wichtige Rolle. Dort präsentierten sich die Nachfolgezentralen aus Brandenburg und Berlin gemeinsam. Unter dem Titel „Nachfolge? Moderner, als du denkst.“ räumten Anja Beck und Christian Schuchardt (Leiter der Nachfolgezentrale Berlin), mit Mythen rund um das Thema Unternehmensnachfolge auf.

Am Rande der deGUT aber auch in einem früheren persönlichen Gespräch mit dem Abgeordneten Lars Katzmarek, kam es zum Austausch und verdeutlichte das bereits bestehende Interesse der Landespolitik an der Arbeit der Nachfolgezentrale.

Nur wenige Tag später bot der Besuch in der Handwerkskammer Cottbus die Gelegenheit, das Projekt und seine Arbeitsweise ausführlich vorzustellen.

Ein wichtiges Signal für die Zukunft der Unternehmensnachfolge

Zum Abschluss des Besuchs unterstrich Martina Klement die Bedeutung der Nachfolgezentrale für die wirtschaftliche Entwicklung Brandenburgs. Insbesondere die vertrauliche Vermittlung, die persönliche Betreuung und die kostenfreie Nutzung des Angebots hob sie als wesentliche Stärken hervor.

Zugleich bekräftigte die Ministerin das Interesse ihres Ministeriums und der Landesregierung an einer Weiterführung und Weiterentwicklung der Nachfolgezentrale Brandenburg.

Wie wichtig ihr die öffentliche Sensibilisierung für das Thema ist, zeigte sich unmittelbar nach dem Gespräch. In einer eigens aufgenommen Videobotschaft, wandten sich Klement, Beck und Katzmarek direkt an die Unternehmerinnen und Unternehmer des Landes. Darin empfahl sie ausdrücklich die Nachfolgezentrale Brandenburg und ihre Kooperationspartner als Ansprechpartner für die Unternehmensnachfolge.

Der Besuch machte deutlich, dass die Sicherung bestehender Unternehmen längst nicht mehr nur individuelle Herausforderung einzelner Betriebsinhabender ist. Sie ist eine wirtschaftspolitische Aufgabe, die für den Erhalt von Arbeitsplätzen, regionaler Wertschöpfung und wirtschaftlicher Vielfalt von großer Bedeutung ist.

Für die Nachfolgezentrale Brandenburg ist das Interesse der Wirtschaftsministerin und des Landtagsabgeordneten ein wichtiges Signal. Denn angesichts des demografischen Wandels wird es in den kommenden Jahren entscheidend darauf ankommen, noch mehr Unternehmen frühzeitig bei der Suche nach einer geeigneten Nachfolge zu erreichen.

Wer ein Unternehmen übergeben oder übernehmen möchte, findet alle Informationen hier bei uns auf der Website, bei unseren Kooperationspartnern und natürlich jederzeit die Möglichkeit zur kostenfreien Registrierung.

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