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Unternehmensnachfolge in Brandenburg - Übergabe eines Familienunternehmens

Unternehmensnachfolge ist kein Ausnahmefall mehr, sondern ein zentraler Bestandteil des Wirtschaftslebens in Brandenburg. In rund 90.000 Unternehmen in Brandenburg stehen die Inhaberinnen und Inhaber altersbedingt vor dem Übergang in den Ruhestand – eine Entwicklung, die in den kommenden Jahren spürbare Auswirkungen haben wird. Für viele stellt sich damit die Frage, wie das eigene Lebenswerk in gute Hände übergeben werden kann. Dass dieser Prozess gelingen kann, zeigen zwei heimische Beispiele – und sie zeigen auch, wie wichtig frühzeitige Planung und professionelle Begleitung sind.


Von der Kundin zur Nachfolgerin: Fläming Küchen in Treuenbrietzen

Wie Andreas Bruns und seine spätere Nachfolgerin Clarissa Grasnick zusammenfanden, war alles andere als geplant. Der damals 60-Jährige führte das Unternehmen „Die Küche von Bruns“ in Treuenbrietzen bereits in vierter Generation.

Als Clarissa Grasnick das Geschäft betrat, suchte sie eigentlich einen Partner für ihr eigenes Wohn- und Renovierungskonzept. Jemand, der ihre Visionen Gestalt werden lässt.

Aus einem Kundenprojekt wurde zunächst eine Zusammenarbeit, später eine Anstellung. Wenige Jahre danach – im Dezember 2024 – erfolgte schließlich die Unternehmensnachfolge und die Umfirmierung zu „Fläming Küchen“.

„Herr Bruns hat mich frühzeitig mit dem Thema der Nachfolge konfrontiert, sodass ich die Möglichkeit hatte, mich intensiv damit auseinanderzusetzen“, sagt Clarissa Grasnick. Ein entscheidender Faktor, denn Nachfolgeprozesse brauchen Zeit – fachlich, wirtschaftlich und emotional.

Fläming Küchen in Treuenbrietzen

© Bild MWAEK


Unternehmen zukunftsfähig machen – zwischen Verantwortung und Gestaltungsfreiheit

Die Übergabe eines Traditionsbetriebs ist für beide Seiten anspruchsvoll. Für Übergebende bedeutet sie, ein Lebenswerk loszulassen. Für Nachfolgende heißt sie, Verantwortung zu übernehmen und eigene Vorstellungen umzusetzen.

Clarissa Grasnick formuliert diesen Spagat klar:

„Für mich stand fest: Wenn ich diese Firma übernehme, möchte ich alles genau so machen, wie ich es für richtig halte.“ Gleichzeitig ist ihr bewusst, welche Geschichte hinter dem Betrieb steht: Über 150 Jahre Handwerk, Erfahrung und Engagement. Ziel ist es daher, Tradition zu bewahren und zugleich neue Impulse zu setzen – etwa in Organisation, Ausrichtung und Zukunftsfähigkeit.

Begleitet wurde der Prozess durch die IHK Potsdam. Unterstützt wurde Clarissa Grasnick unter anderem bei der Erstellung des Businessplans, in der Kommunikation mit dem Vorbesitzer sowie durch Fortbildungsangebote, etwa zum Thema Frauen in Führungspositionen.

Fläming Küchen in Treuenbrietzen

© Bild MWAEK


Werte weitertragen: Generationswechsel im Gasthaus Görsdorf

Auch im Gasthaus Görsdorf in Tauche bei Lindenberg (Mark) steht ein Generationswechsel an – ebenfalls mit einer Besonderheit. Der Traditionsbetrieb wird inzwischen in sechster Generation geführt, erstmals von einer Frau. Maria Görsdorf übernimmt das Gasthaus von ihrem Vater und beendet damit eine jahrzehntelange reine „Männerwirtschaft“.

„Ich versuche hier, meine Werte umzusetzen, und möchte als erste Frau nach fünf Männern den Ort neu beleben“, beschreibt sie ihre Motivation. Auch sie wurde im Nachfolgeprozess von der IHK begleitet. „Meine Ansprechpartner haben mich gut unterstützt und Kontakte hergestellt, an die ich mich wenden konnte, um die ersten Schritte der Existenzgründung zu gehen.“

Begleitet wurden solche Prozesse unter anderem von Elisabeth Nepke, Projektmanagerin Unternehmensnachfolge bei der IHK Ostbrandenburg: „Wir wollen Mut machen, die Unternehmensnachfolge als selbstverständlichen Teil des Unternehmenszyklus zu begreifen. Dabei betrachten wir immer beide Seiten – die abgebenden Unternehmer ebenso wie die Nachfolgeinteressierten.“

Gasthaus Görsdorf in Tauche

© Bild MWAEK


Mut zu neuen Wegen

„Stolz zu sein auf das, was war – aber trotzdem mutig zu sein, neue Wege zu gehen“, beschreibt Maria Görsdorf als spannendste Aufgabe der Übergabe. Ein Satz, der so auch auf Clarissa Grasnick zutrifft. Beide Beispiele zeigen: Unternehmensnachfolge bedeutet nicht Stillstand, sondern Weiterentwicklung auf einem stabilen Fundament.

Gasthaus Görsdorf in Tauche

© Bild MWAEK


Warum Unternehmensnachfolge in Brandenburg so wichtig ist

Die demografische Entwicklung macht das Thema besonders relevant. Viele Unternehmen wurden nach der Wende aufgebaut, häufig ohne familieninterne Nachfolgeoptionen. Gleichzeitig ist Unternehmertum historisch bedingt weniger stark gesellschaftlich verankert als in anderen Regionen.

Die Herausforderungen für Übergebende sind dabei oft ähnlich:

  • Loslassen eines Lebenswerks
  • Sorge vor Fehlentscheidungen der Nachfolgenden
  • Angst vor zu starken Veränderungen

Gleichzeitig eröffnet die Nachfolge für Übernehmende eine echte Alternative zur klassischen Neugründung – mit bestehenden Strukturen, Mitarbeitenden und Kunden.


„Das beste Alter ist ab 55 Jahren“ – rechtzeitig planen

Die Industrie- und Handelskammern als auch die Handwerkskammern in Brandenburg, empfehlen, sich spätestens ab dem 55. Lebensjahr aktiv mit dem Thema Nachfolge zu beschäftigen. Dann bleibt genügend Zeit, mögliche Nachfolger aufzubauen – etwa aus dem eigenen Mitarbeiterkreis – oder externe Lösungen zu finden.

Wichtig ist dabei eine professionelle Begleitung. Die Kammern unterstützen mit Beratung, Veranstaltungen, Netzwerktreffen und gezielter Sensibilisierung. Möglich gemacht wird dieses Angebot unter anderem durch Fördermittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Ein Instrument dabei ist die Nachfolgezentrale Brandenburg“ – eine kostenfreie Matchingplattform, die Übergebende und Nachfolgeinteressierte zusammenbringt.


Unternehmensnachfolge als Chance begreifen

Unternehmensnachfolge ist keine Notlösung, sondern eine echte Gründungsoption. Wer frühzeitig plant, offen kommuniziert und sich begleiten lässt, schafft die Grundlage für einen erfolgreichen Übergang – für das Unternehmen, die Beschäftigten und die Region.

Die Beispiele aus Treuenbrietzen und Görsdorf zeigen: Wenn Tradition und Zukunft zusammenkommen, kann Unternehmensnachfolge gelingen.

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