Mittelstand auf Verschleiß: Warum fehlende
Investitionen bremst - und was passieren muss
Mittelstand auf Verschleiß: Warum fehlende Nachfolge Investitionen bremst – und was jetzt passieren muss
Für die einen ist es das Lebenswerk. Für die anderen eine unternehmerische Chance.
Doch genau hier liegt ein Problem: Viele mittelständische Betriebe in Deutschland investieren zu wenig – und werden dadurch schwer übergabefähig.
Der deutsche Mittelstand steht vor einem strukturellen Problem, das lange unterschätzt wurde: Seine Unternehmer werden älter – und investieren immer seltener.
Bereits 2025 zeigte die Auswertung des KfW-Mittelstandspanels, wie deutlich dieser Effekt ist. Während Unternehmen mit Inhabern unter 40 Jahren im Schnitt zu 58 Prozent investieren, liegt dieser Anteil bei über 60-Jährigen nur noch bei 38 Prozent. Eine Lücke von rund 20 Prozentpunkten – seit Jahren stabil, aber durch den demografischen Wandel zunehmend brisant.
Denn gleichzeitig verschiebt sich die Altersstruktur massiv. Das Durchschnittsalter mittelständischer Unternehmer liegt inzwischen bei über 54 Jahren. Mehr als die Hälfte ist älter als 55 – vor 20 Jahren war es nur ein Fünftel.
„Die Gruppe derjenigen Unternehmen, die aufgrund eines relativ hohen Inhaberalters zurückhaltender investiert, wird sukzessive größer. Der bremsende Effekt auf die Investitionen im Mittelstand nimmt in der Gesamtsicht daher zu“,
sagt Dirk Schumacher.
Wenn Unternehmen auf Verschleiß fahren
Die Folgen sind konkret – und wirtschaftlich relevant.
Viele Betriebe verschieben Investitionen, modernisieren nicht mehr ausreichend und verlieren schleichend an Substanz.
„Viele Unternehmen fahren auf Verschleiß. Das kann sich Deutschland nicht dauerhaft leisten.“
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Branchen wie dem Baugewerbe oder bei wissensintensiven Dienstleistungen. Dort ist der Anteil junger Unternehmer in den vergangenen zwei Jahrzehnten drastisch gesunken, während gleichzeitig immer mehr Betriebe von über 60-Jährigen geführt werden.
Die Gründe sind nachvollziehbar:
Investitionen rechnen sich für ältere Inhaber oft nicht mehr über einen ausreichend langen Zeitraum. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, neue Kredite aufzunehmen oder langfristige Risiken einzugehen.
Der entscheidende Faktor: Nachfolge
Ein Punkt sticht dabei besonders hervor: die ungeklärte Nachfolge.
Unternehmen, die perspektivisch einen Nachfolger suchen, investieren deutlich weniger. Sobald jedoch konkrete Gespräche laufen, verändert sich das Bild radikal. Die Investitionen steigen spürbar – und erreichen ihren Höhepunkt, wenn die Nachfolge gesichert ist.
Die Botschaft ist klar:
Nachfolge ist nicht das Ergebnis erfolgreicher Unternehmensführung – sie ist eine Voraussetzung dafür.
Warum ein investitionsstarker Betrieb leichter zu übergeben ist
Für potenzielle Nachfolger zählt nicht nur die Idee eines Unternehmens, sondern dessen Zustand.
Ein Betrieb, der über Jahre hinweg wenig investiert hat, bedeutet:
- höhere Risiken
- zusätzlichen Kapitalbedarf
- unsichere Zukunftsaussichten
Umgekehrt gilt:
Ein Unternehmen, das in Technik, Prozesse und Mitarbeitende investiert, signalisiert Stabilität und Entwicklungspotenzial.
Genau hier entsteht ein Hebel, der oft unterschätzt wird:
Investitionen schaffen Vertrauen – und machen Übergaben überhaupt erst realistisch.
Was Unternehmer jetzt konkret prüfen sollten
Wer seinen Betrieb übergeben möchte, sollte nicht erst bei der Nachfolgersuche beginnen. Entscheidend ist der Zustand des Unternehmens selbst.
Zentrale Fragen sind:
- Gibt es einen Investitionsstau bei Maschinen, IT oder Infrastruktur?
- Ist eine klare Zukunftsstrategie erkennbar?
- Sind betriebliche Kennzahlen transparent und nachvollziehbar?
- Werden Mitarbeitende aktiv eingebunden?
- Ist der Betrieb digital und organisatorisch anschlussfähig?
Diese Faktoren entscheiden darüber, ob ein Unternehmen attraktiv wirkt – oder abschreckt.
Ein strukturelles Problem – mit lösbarem Kern
Die Entwicklung ist kein kurzfristiger Trend, sondern das Ergebnis demografischer Veränderungen. Umso wichtiger sind funktionierende Rahmenbedingungen für Unternehmensnachfolgen.
„Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es für junge Menschen attraktiver macht, bestehende Unternehmen zu übernehmen. Wenn ältere Unternehmer bessere Aussichten haben, Nachfolger zu finden, werden sie auch mehr investieren“,
so Dirk Schumacher.
Fazit
Ein Betrieb, der auf Verschleiß fährt, verliert nicht nur an Wert – er verliert seine Zukunft.
Ein Betrieb, der investiert, gewinnt Optionen.
Oder zugespitzt:
Nachfolge beginnt nicht mit Gesprächen – sondern mit Entscheidungen, die oft Jahre vorher getroffen werden.
Wer sich frühzeitig mit der Übergabe oder Übernahme eines Unternehmens beschäftigt, hat deutlich bessere Handlungsspielräume. Informations- und Sensibilisierungsangebote – etwa durch die Nachfolgezentrale Brandenburg – können dabei helfen, den Prozess strukturiert anzugehen.
Quellen
KfW Research (2024): KfW-Mittelstandspanel 2024, Sonderauswertung zur Altersstruktur und Investitionstätigkeit.
Studie: KfW
IfM Bonn (2023): Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2022–2026.
DIHK (2025): Report Unternehmensnachfolge.
